German poem
Der Muthwille
by Achim von Arnim (1781–1831)
Wißt ihr, wie ich möchte ziehen In die Stadt, wo Liebchen wohnt, Ach, wohin ich oft geschrieen In den Wind, ganz unbelohnt: Wie weit ist die Zeit!
Nicht als Pilger, nicht als Sänger, Nicht wie Geister unsichtbar, Nicht wie Vögel, nein viel länger Blieb' ich da, weit über's Jahr: Wie weit ist die Zeit!
Nicht mit Blumen, nicht mit Bändern Schlich ich hin vor Liebchens Thür, Sehnsucht opfern alle Länder, Singen blühend hin zu ihr: Wie weit ist die Zeit!
Nein, als Sieger möcht' ich ziehen, Sprengen auf die Thür zum Scherz, Wie die Bombe springend glühen, Durch den Mund ihr in das Herz: Wie weit ist die Zeit!
Um von unten auf zu dienen, Meint ihr, wär' ich nun zu alt, Obenein möcht' ich verdienen So die himmlische Gestalt: Wie weit ist die Zeit!
Wenn ich mit dem Säbel klopfe, Liebchen macht die Thüre auf, Und sie kniet, hat Angst im Kopfe, Sie als Krone höb' ich auf: Wie weit ist die Zeit!
Setzte sie auf meinen Scheitel, Trüg' wie Atlas meine Welt, Alle Welt schien mir dann eitel, Und ich wär' der einz'ge Held: Wie weit ist die Zeit!