German poem
Heil, noch einmal vor dem Richter
by Adelbert Cammerer (1786–1848)
Der Jüngling Heil, nun Mann geworden, Durch Leiden, die er gross bestand: Er sehnt sich aus dem Land des Norden, Zur Heimath, in sein Wiegenland.
Doch eh' das Grabmal seiner Freuden Von ihm empfing die letzte Pflicht: Da trat er, sonder Groll zu scheiden, Noch, also sprechend, vor Gericht:
»Es ward ein theures Blut vergossen, Der Mörder fand verdientes Grab; Nun—habet Ihr den Tod beschlossen, Auf einen, der mir Leben gab.
Denn, wäre Skudritz Euch entflüchtet, So wie es stand in seiner Macht: So hätte Folter mich vernichtet, Und Schande mir der Tod gebracht.
Dann auch bedenket Eure Lage, Vor Thron, Gewissen und der Welt: Wenn Gott die Wahrheit hier zu Tage, Den Frevel an das Licht gestellt!
Der Skudritz war, an seiner Stelle, Berückt, bethört, von blindem Wahn; Nur Sklave blieb der Mordgeselle, Und stets dem Mörder unterthan.
So lasset Huld ihm angedeihen!— Den Schatz, der mir im Grabe ruht, Soll nicht unreines Blut entweihen; Nicht schänden mir das edle Blut.«—
Dem Richter wollte nicht behagen, Was Heil gesprochen, allzukühn; Doch will er Gnade nicht versagen, Da Greif um gleiche Gunst erschien.
Dem Jüngling war zu weh' geschehen; Vergeben wurde, wie er sprach; Der Richter liess den Spruch ergehen, Und Milde folgt dem Rechte nach.
»Der Skudritz mag im Thurm' noch büssen, Für seine Schuld, die er bekannt; Dann sei er aus dem Land' gewiesen, Und ende fern, von hier verbannt!«—
So sprach der Richter, vor dem Scheiden Von dem durch Mord entweihten Ort'; Erfreuend so das Herz der Beiden, Mit seiner That, mit seinem Wort'.