German poem
Dembinski
by Adolf Friedrich von Schack (1815–1894)
Blauer Niemen, blauer Niemen, Wie viel Blut hast du getrunken, Blut wie vieler edlen Polen, Die an dir dahingesunken!
An dein Ufer wankt Dembinski, Auf der Brust die Sterbewunde; Trauernd um den Feldherrn drängen Sich die Krieger in der Runde.
»Legt mich nieder! Nicht erreich' ich Mehr den Jenseitstrand, ihr Lieben; Doch das eine laßt mich wissen, Ob er unser noch geblieben!«
Und dem Winke folgen drei; An den Fluß dahingetreten, Blasen sie das Lied der Polen Auf den rostigen Drommeten.
Stille dann, und alle lauschen, Lauschen bang, – zu ihren Ohren, Horch! von drüben schallt es da: »Noch ist Polen nicht verloren!«
Freudeweinend liegen alle Sich in Armen fest umschlungen; Aufgerichtet steht der Feldherr, Bis das teure Lied verklungen.
Dann zur Erde sinkt er nieder: »O, nun mag mein Herzblut fließen! Nun ich diesen Klang vernommen, Will ich gern die Augen schließen.«