Versos German Albert Traeger Der Gang zum Friedhofe

German poem

Der Gang zum Friedhofe

by (1830–1912)

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Er kam zurück und fand sein Weib nicht mehr; Gebroch’nen Herzens ist auch er erlegen, Die Waisen stehen schluchzend um ihn her Und harren auf des Vaters letzten Segen. Drei Mal verjüngt schaut er die Mutter dort – Er segnet sie mit schon verklärten Mienen, Doch eine Klage blieb sein letztes Wort: Drei Kinder und kein Rächer unter ihnen!

Nun ruht er aus; der treue Wanderstab Führt’ in die Heimath ihn zurück zum Sterben, In deutscher Erde grub man ihm sein Grab, Um höhern Lohn blieb ihm versagt zu werben; Dem wilden Flüchtling, der am fernen Strand Des Hasses Lied sang zu des Weltmeers Schäumen, Wehrt Keiner mehr, im eig’nen Vaterland Den süßen Traum der Freiheit still zu träumen.

Zum ersten Male schlingt um seinen Traum Der nahe Lenz die früh erschloß’nen Blüthen, Da nahen sie, die jenen engen Raum Wie ihres Lebens Heiligthum behüten, Und freundlich durch das finstre Gitter blinkt Des Vaters Grab, vom Sonnenstrahl beschienen, Da eilen sie, als ob er selber winkt, Drei Kinder und kein Rächer unter ihnen. Der holden Schwestern jüngstes Paar voraus, Wie sie dem Vater einst zuerst entgegen Gejubelt, wollen sie den ersten Strauß Auf seines Hügels frischen Rasen legen; Ihr ahnungsloses Kinderherz beschwert Noch nicht des Todes schreckensvolles Bangen, Der Vater, den so lang schon sie entbehrt, Sie wähnen, er sei wieder fortgegangen.

Die Jungfrau folgt mit ihrem Schmerz allein. Wie wird’s ihr schwer, den leichten Kranz zu tragen, Sie will dem Vater ihn zum Opfer weih’n In tiefer Trauer, schmerzlichem Entsagen – – Sie liebt ihn noch und wies ihn dennoch fort, Der nicht verschmäht, der Freiheit Feind zu dienen, Es brach ihr Herz des Vaters letztes Wort: Drei Kinder und kein Rächer unter ihnen!