German poem
Studententraum
by Alexis Aar (1853–1916)
Mir träumt’, ich hätt’ einen Onkel In Süd-Amerika, Der wäre als reicher Kaufherr Gestorben am Podagra.
Auf seinem Totenbette, Da hätt’ er röchelnd gesagt: »Ihr Herren, ’s ist alles eitel, Darum man sich schindet und plagt.
»Ich habe Millionen gesammelt Und muss nun doch hinweg; So will ich mein Geld denn vermachen Für einen milden Zweck!
»Ich hab’ einen lieben Neffen Im durstigen deutschen Land: Dem sei mein grosses Vermögen Grossmütiglich zugewandt.«
Doch hätt’ er eine Klausel. Voll frommen Sinns erdacht: Ich müsste das Geld verzechen In einer einzigen Nacht.
Mit glühend durstiger Kehle Wacht’ ich vom Schlummer auf: Ach, lebtest du, guter Onkel, Und stürbst auch gleich darauf!