German poem
Liederquell
by Anastasius Grün (1806–1876)
Wie kommt's, daß mit dem Pfeil im Herzen Im Schmerz ich sang der Liebe Lust? Wie kommt's, daß nur von heitern Scherzen Mir quillt die todeswunde Brust? –
Es segelt sanft auf Silberwogen Im Schneegewand der stolze Schwan, Gesanglos ist er lang gezogen In stummer Lust die stille Bahn.
Im Morgenroth, im Mondenscheine Die Fluth durchschifft' er frei – und schwieg; Am Ufer blühten Rosenhaine, Er segelte vorbei – und schwieg.
Jetzt, da der Pfeil sein Herz durchdrungen, Da ihm der Tod im Busen glüht, Was er in Wonne nie gesungen, Er singt's in Schmerz: sein erstes Lied.