Versos German Andreas Gryphius An Jolinden

German poem

An Jolinden

by (1616–1664)

Listen in the reader

Was habt ihr / das ihr mögt an euch eur eigen nennen! Die Schminck ists / die euch so bluttrotte Lippen macht: Die Zähne sind durch Kunst in leeren Mund gebracht. Man weiß das Meisterstück / wordurch die Wangen brennen. Eur eingekauftes Haar kan auch ein Kind’ erkennen. Der schlimme Schweiß entdeckt deß Halses falsche Pracht. Vnd die polirte Stirn wird billich außgelacht Wenn sich der Salben Eys will bey den Runtzeln trennen.

Gemahlte / sagt mir doch / wer seyd ihr / vnd wie alt? Ihr meyn ich / sechzehn Jahr / drey Stunden die Gestalt. Ihr seyd von Haus’ vnd sie ist über See ankommen. Ihr schätzt euch trefflich hoch / vmbsonst! der Maler hat Noch für ein schöner Bild / das feil war in der Stadt Vnd länger bleibt / denn ihr / drey Kronen nur genommen.