Versos German Angelus Silesius Die Psyche begehrt ein Bienelein auf den Wunden Jesu zu sein

German poem

Die Psyche begehrt ein Bienelein auf den Wunden Jesu zu sein

by (1624–1677)

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Du grüner Zweig, du edles Reis, Du honigreiche Blüte, Du aufgetanes Paradeis, Gezweig mir eine Bitte. Laß meine Seel ein Bienelein Auf deinen Rosenwunden sein.

Ich sehne mich nach ihrem Saft, Ich suche sie mit Schmerzen, Weil sie erteilen Stärk und Kraft Den abgematt‘ten Herzen. Drum laß mich doch ein Bienelein Auf deinen Rosenwunden sein.

Ihr übertrefflicher Geruch Ist ein Geruch zum Leben, Vertreibt die Gift, verjagt den Fluch Und macht den Geist erheben. Drum laß mich wie ein Bienelein Auf diesen Rosenwunden sein.

Ich nahe mich mit Herz und Mund, Sie tausendmal zu küssen, Laß mich zu jeder Zeit und Stund Den Honigsaft genießen. Laß meine Seel ein Bienelein Auf diesen Rosenwunden sein.

Ach, ach, wie süß ist dieser Tau, Wie lieblich meiner Seele! Wie gut ists sein auf solcher Au Und solcher Blumenhöhle! Laß mich doch stets ein Bienelein Auf diesen Rosenwunden sein.

Nimm mein Gemüte, Geist und Sinn, Leib, Seel und was ich habe, Nimm alles gänzlich von mir hin, Gib mir nur diese Gabe: Daß ich mag stets ein Bienelein, Herr Christ, auf deinen Wunden sein.