German poem
Sie bittet um Keuschheit
by Angelus Silesius (1624–1677)
Du keusche Seele, die du mich Anreizest keusch zu lieben dich, Wann wird denn deine keusche Brunst Verzehret haben allen Dunst?
Ich wollte, daß mein Herz und Sinn So keusch wie deine möchten blühn. Ich wollte, daß mein Fleisch und Blut Wie deines wär, o keusches Gut.
Ich weiß, daß du, o keuscher Gast, Dein Lusthaus in der Keuschheit hast. Ich weiß, daß dir mit keuschem Herzen Beliebt zu spielen und zu scherzen.
Du bist der Keuschen Bräutigam, Der Keuschheit Ursprung, Wurzel, Stamm. Du gibst und säest keuschen Rat, Wer dir nur folgt auf frischem Pfad.
So säe denn auch keusche Lust In mein Gemüt und meine Brust. Vertreib aus meinem Fleisch und Blut Alls, was zum Fleisch anreizen tut.
Zeuch mich mit deiner Keuschheit an, Verhüll mich mit der Keuschheit Fahn, Daß ich, du Keuscher, frisch und frei Dein keuscher Tempel ewig sei.
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