German poem
Sie ergibt sich dem Jesulein zu einem Diener
by Angelus Silesius (1624–1677)
Kleiner Knabe, großer Gott, Schönste Blume, weiß und rot, Von Maria neugeboren, Unter tausend auserkoren, Allerliebstes Jesulein, Laß mich deinen Diener sein.
Nimm mich an, verliebtes Kind, Und befehle mir geschwind, Rege deine süßen Lippen, Rufe mich zu deiner Krippen. Tu mir durch den hulden Mund, Deinen liebsten Willen kund.
Ich verlasse nun die Welt Und was mir an ihr gefällt. Dir alleine will ich leben, Dir mich gründlich untergeben. Du alleine, Jesulein, Sollst mein Herr und Obrer sein.
Dir soll meine Seel allzeit Samt den Kräften sein bereit Und mein Leib mit allen Sinnen Soll nichts ohne dich beginnen. Mein Gemüte soll auf dich Denken jetzt und ewiglich.
Nimm mich an, o Jesulein, Denn ich wünsche dein zu sein. Dein verbleib ich, weil ich lebe, Dein, wenn ich den Geist aufgebe. Wer dir dient, du starker Held, Der beherrscht die ganze Welt.