German poem
Sie hält ihn für ihr Kleinod
by Angelus Silesius (1624–1677)
O du Kleinod meiner Sinnen, Schönste Perle, feinstes Gold. Jesu, dem ich herzlich hold, Den ich suche zu gewinnen, Soll es denn noch lange währen, Daß ich deiner muß entbehren?
Tausendmal hab ich mit Tränen Laut geschrieen und geruft. Tausendmal wird in der Luft Noch gehört mein kläglich Sehnen. Jesu, Kleinod meiner Sinnen, Wanne werd ich dich gewinnen!
Liegst du denn so tief vergraben, Schönste Perle, feinstes Gold, Daß mein Herz, dem du doch hold, Dich so lange nicht kann haben? O du Kleinod meiner Sinnen, Laß dich doch einmal gewinnen!
Alle Schätze dieser Erden Und was köstlich wird geacht, Ja auch gar des Himmels Pracht Laß ich andren gerne werden, Wenn ich dich nur kann gewinnen, Jesu, Kleinod meiner Sinnen.
Ei, so gib mir doch die Kräfte, Schönste Perle, feinstes Gold, Daß ich, wie ich längst gewollt, Meinem Herzen dich einhefte, Daß du ewig seist darinnen Und verzückest meine Sinnen.
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