German poem
Sie verschmäht die Welt
by Angelus Silesius (1624–1677)
Fahr hin, du schnöde Welt, Mit deinem Gut und Geld. Fahr hin mit deinem Prangen Und den geschminkten Wangen, Du wirst mit deinen Tücken Mich nun nicht mehr berücken: Jesus Christus soll allein Meiner Seelen Vorbild sein.
Du zeigst mir deine Pracht, Dein Reichtum, deine Macht Und deiner Schönheit Rosen, Daß ich sie lieb soll kosen. Ach nein, es ist nur Heue Und stäubet hin wie Spreue: Jesus Christus soll allein Meiner Seelen Schönster sein.
Dein Ruhm ist wie ein Schaum Und deine Pracht ein Traum, Und deine Herrlichkeiten Verbleichen mit den Zeiten. Fahr hin, ich mag nicht haben, Was nur kann zeitlich laben: Jesus Christus soll allein Meiner Seelen Liebster sein.
Wer dir zu viel getraut, Hat auf den Sand gebaut. Wer dir sich hat ergeben, Verdirbt mit Leib und Leben. Drum will ich dich verlassen Und nimmermehr umfassen: Jesus Christus soll allein Meiner Seele Bräutgam sein.
Ich schätze deine Lust So hoch als Kot und Wust. Und alle deine Freude Vergleich ich Traurn und Leide. Drum will ich auch nicht lieben, Was mich nur kann betrüben: Jesus Christus soll allein Ewig meine Liebe sein.
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