German poem
Als sie eine zum Scherz verfertigte Ordre fand
by Anna Louisa Karsch (1722–1791)
Da Mandloff, der einmal die Kanzelei regiert, Und jetzt vom ganzen Kreis zu Potsdam Rechnung führt, Da dieser, wie es uns vom Kammersekretaire B*mann eröffnet ward, so eigennützig wäre Und ein poetisch Buch, das man ihm zugestellt, Schon seit geraumer Zeit unartig vorenthält, So oft man ihn auch schon erinnert, und gesagt: Daß man es haben will – Als wird er hart verklagt, Und nicht entschuldiget. Es wird zugleich befohlen Durch Execution das Buch von ihm zu holen. Der Müller, der umher im Lande reiten muß, Wird zu ihm hingeschickt, er soll mit Ueberfluß Sich speisen lassen, ja, er soll ihm gar nichts schenken, Bey Tische laß er sich mit gutem Bischof tränken, Und weiche eher nicht, bis er das Buch gewiß In seinen Händen hat; auch mach' er überdies Dem Mandloff noch bekannt, wie viel er sich entzogen, Daß er die Billigkeit nicht ganz genau erwogen! Manch nagelneu Gedicht von ungemeiner Art Ist hier bekannt gemacht, das ihm verschwiegen ward: Und wird er künftig nicht die Bücher wieder geben, So soll er ohne Wein und ohne Liebe leben.
More by Anna Louisa Karsch
- Als die Wiederkunft des Königs gewünschet wurde
- Als ein Dichter im Weinmonath ihr eine Rose gab
- Als man sagte, der Gram nähm ihr viel Zeit weg
- Als sie eine Rose zeigte, an welcher eine Rosenknospe saß
- Als sie sich gegen den Angrif eines Freundes gewehret hatte
- Als sie über beständiges Kopfweh geklagt hatte
- Als sie zu einer Lustreise nach Charlottenburg eingeladen wurde
- Als von dem Nutzen der Geschichte gesprochen wurde