German poem
Frau Sehnsucht
by Anton Lindner (1874–1929)
Kam Frau Sehnsucht still heran, Sah mich an.
Sass an meines Bettes Ende, Glühend wichen rings die Wände – Und sie hob die bleichen Hände, Hob sie durch die schwarze Nacht, Sanft und sacht.
Und mich würgten tausend Schlangen, Wühlten mir um Stirn und Wangen – Und die Cello-Töne klangen, Klangen zitternd, Stich um Stich, Und sie strich:
»Horch, horch auf … Die Palmen schauern! »Wo die grauen Zelte trauern, »Braune Leoparden lauern, »Geht ein Flüstern … Dämmerfahl »Bebt mein Thal.
»Wo sich bunte Mädchen wiegen, »Wilde Sterne flackern, fliegen, »Leuchtend in den Teichen liegen, »Bebt mein Land und lockt mein Sang »Nächtelang.
»Horch, horch auf … die Stunden gleiten – »Und du siehst in Dämmerweiten »Venus, meine Fürstin, schreiten … »Und sie winkt mit bleichem Kranz, »Winkt zum Tanz.
»Und du hörst die Quellen klingen, »Leise knospen dir die Schwingen, »Lass uns tanzen, tanzen, springen – »Kling und Klang … den schönsten Lauf «Spiel ich auf …«
Also spielt sie Tage, Wochen, Dass mir wild die Pulse pochen, Spielt wohl, bis mein Herz gebrochen, – Und Frau Venus, bleich und nackt, Schlägt den Takt.