Versos German August Ernst von Steigentesch Wiegenlied

German poem

Wiegenlied

by (1774–1826)

Listen in the reader

Schlummre sanft! des Lebens Morgenröthe, Des Genusses Augenblick ist dein. In des Morgenschlummers stille Lethe Taucht die Kindheit ihre Sorgen ein.

Schlummre sanft! Noch ist dein Lächeln heiter, Da dein Herz noch keine Sorge denkt, Und der Engel, Unschuld, dein Begleiter Deiner Kindheit Blumentritte lenkt.

Schlummre sanft! Der Täuschung Blüthenträume Finden in der Wirklichkeit ihr Grab. Deiner Hofnung aufgeblühte Keime Streift vielleicht der Sturm des Zufalls ab.

Schlummre sanft, wenn diese Blumen schwinden, Unter Dornen scheiden Traum und Wahn, Und die stürmeschwarzen Wolken künden Unsres Lebens schwülen Mittag an. Rosen welken, die am Morgen glühten, Und des Wemuths trübe Quelle rauscht, Wo die Schlange Mißgunst unter Blüthen Und der Gram auf weichem Purpur lauscht.

Aber Kind, dann lächle dem Geschicke, Dein Bewußtseyn lächle rein wie du, Und dein ruhesuchend Auge drücke Einst die Hand geprüfter Liebe zu.