German poem
Drei Liebeslieder
by August Heinrich Hoffmann von Fallersleben
Von Hoffmann von Fallersleben.
Du hast mir keinen Kranz gewunden, Auch nicht ein Blümlein mir geweiht, Doch einen Kranz der schönsten Stunden Den schönern Tagen angereiht.
Du hast mir keinen Wein credenzet, Auch nicht ein einzig Tröpfelein, Doch hat Dein Auge mir geglänzet, Als schenkt’ es Deine Seele ein.
Du hast kein Liedlein mir gesungen Von Liebeslust und Liebesleid, Doch ist mir jedes Wort erklungen Wie lauter Liebesseligkeit.
Du bist nicht nahe mir geblieben, Kurz war des Sehens süßes Glück, Doch immer zaubert mir mein Lieben Dein süßes holdes Bild zurück.
Heil Dir, daß etwas Dich begeistert, Was Deine Schönheit noch verschönt, Wenn auch die ganze Welt Dich meistert und Dich verspottet und verhöhnt.
Bleib’ allem, was nach Wahrheit strebet, Bleib’ allem Guten zugewandt, Und jede Seele, die da lebet Für Freiheit, sei mit Dir verwandt!
Nie soll sich Dir ein Freier nahen, Der nicht zugleich ein Freier ist, Kein Mann soll Deine Hand empfahen, Der Dir nicht ist, was Du mir bist.
Heil Dir, daß etwas Dich begeistert, Was Deine Schönheit noch verschönt, Wenn auch die ganze Welt Dich meistert Und Dich verspottet und verhöhnt.
Mich könnte noch die Welt versöhnen, Wenn sie Dich liebte wie ich Dich, Wenn sie sich sehnte nach dem Schönen Und am Gefund’nen freute sich.
Doch nein! sie kann Dich nur beneiden, Hohn ist der Sold, den sie Dir bringt. So muß es auch die Rose leiden, Daß sie der Dornen Neid umringt.
Des Frühlings Boten send’ ich Dir, In diesen winterlichen Tagen, Daß sie noch einen Gruß von mir, Ein stilles Lebewohl Dir sagen.
Könnt’ ich für meines Lebens Müh’n Vom Schicksal Eine Gunst erwerben! Wie diese Blumen möcht’ ich blüh’n Und so an Deinen Blicken sterben.
Die Blumen sind verwelket, Die Du empfängst von mir, Verklungen sind die Lieder, Die ich gesungen Dir.
Gern hätt’ ich Dir erneuet, Was Freude Dir gemacht, Gern hätt’ ich frische Blumen Und Lieder Dir gebracht.
Ach! wär ich nicht gezogen So weit von Dir hinaus, Noch heute brächt’ ich Blumen Und Lieder Dir in’s Haus.
Nun ist mir in der Ferne Nach Dir so bang’ und weh, Als ob ich nie Dich wieder, Nie, nie Dich wieder sah’.