German poem
Unter der Linde
by Bodo Wenzel (1856–1912)
Unter der Linden Auf der Haide, Wo wir zweie gelegen ha’n, Werdet Ihr finden Alle beide, Blumen und Gras, geknicket stah’n. Vor dem Wald in jenem Thal Tandaradei Lieblich sang die Nachtigall.
Kam ich gegangen Hin zu der Au, – War mein Schatz gekommen schon; Ward ich empfangen, Heilige Frau! Bin ich doch selig noch davon. Tausendmal hat er mich wohl geküßt: Tandaradei Seht, wie roth mein Mund noch ist!
Hat er gemachet Wonniglich Blumen zu einer Lagerstatt; Mancher noch lachet Inniglich, Wenn er kommt denselben Pfad; An den Rosen wohl er mag Tandaradei Sehen, wo mein Köpfchen lag.
Daß wir uns lieben, Wüßt es einer, Ach, um Gott, da schämt ich mich! Was wir getrieben, Niemals Keiner Wisse das, als er und ich, Und ein kleines Vögelein, Tandaradei Das wird wohl verschwiegen sein.