German poem
Frühlingsregen
by Bruno Wille (1860–1928)
Die grauen Wolken flogen, Umwölbend das Gefild, Und nieder kam gezogen Ein Regen warm und mild. Nun träufelt der Erquickung Thau, Es dampft die zartbegrünte Au; Die Erde hat gesogen Und ihren Durst gestillt.
Ein Duft von jungem Leben Den kühlen Hain durchdringt; Die Knospen wonnig beben, Und sachtes Tröpfeln klingt. Durch Erlenbüsche streift der Wind, Mit feuchtem Haar – ein heitres Kind; Ein Säuseln läßt er schweben Aus dem Gezweig und singt:
»Sonne, erschließe Das himmlische Blau, Goldglanz gieße Auf grüne Au! Ihr gebadeten Blumen, Laßt die feuchten Äuglein leuchten! Ich schüttle von schwanken Erlen Zum Spiel euch glitzernde Perlen. – Solch bunte Perlen woben Die schwebende Brücke droben Am blauen Himmelssee.«