German poem
Andacht-Bereitung - zur Betrachtung des H. Leidens Christi
by Catharina Regina von Greiffenberg
Weg / Eytelkeit! du must bey seit / der Andacht Platz zu machen; daß das Sünd-entschlummert Herz mög zu Gott erwachen.
Weg / Scherz und Spiel! jetzt ist mein Ziel auf Christi Creutz gerichtet: weil sein unerhörte Lieb mich dazu verpflichtet!
Weg / Zier und Pracht! Schmuck / gute Nacht! ich will den Sack anziehen / und der Laster Uppigkeit durch die Buße fliehen.
Astrea schön! ich laß dich stehn: den Seelen-Hirt zu lieben. Er / der rechte Celadon / ist beständig blieben.
Am Bach Kidron / vor dem Lignon / will ich mich jetzt begeben: weil an ihm sein Leben ende meines Lebens Leben.
Sein Creutz ist nun Liebs-Warheit Brunn: wo wird mit Freud erblicket / wie der schönste Gottes Sohn ist mit Lieb verstricket.
Der Leuen Grimm / durch seine Stimm / er sterbend macht zu steinen: auf daß könt' / an seinem Blut / Gottes Lieb erscheinen.
Ich schreib mit Fug: es ist genug! Gott ist nunmehr vergnüget. Zeit ists / daß auf seinen Schmerz er mit Freuden sieget.
Du Königs Sohn / Roseleon! bist auch in Lieb gefangen! an deins Wortes Degen- Spitz' alle Reich' auch bangen.
Liebhaber / weicht! dann keiner gleicht dem Herren Christ / im lieben. Alles ist ein kühles Thau / was von euch geschrieben.
Nun komm / mein Schatz! du hast schon Platz: mein Herz gehört dir eigen. In mir muß jetzund die Welt / dich zu hören / schweigen.