German poem
Uber das Gebet
by Catharina Regina von Greiffenberg
Ach wie pfleg' ich mich zu freuen über Gottes Wort! herrlich pflegt mir zu verneuen seine Treu mein Hort. wann ich in der Schrifft will lesen / pflegt mein Hoffnung zu genesen / meint / sie sey im Port.
Das Gebet / des Himmels Leiter / ist der Hoffnung Grund; Gottes Geist / ist des Bereiter; Jesus / dessen Mund. wann die Seuffzer aufwerts steigen / Trost und Hülff' herab sich neigen: ach daß ichs empfund!
Jesus Namen / ist die Schalen: Gottes Geist / die Glut / derer Feurig' Andacht Strahlen hitzen unfern Muht / machen uns von Gott entfangen alles / was wir nur verlangen / auch das höchste Gut.
Moses hatte lang gekrieget / nicht durch kühne Werk; Josua hat auch gesieget / nicht durch seine Stärk': durchs Gebet / ists ihm gelungen / daß viel König' er bezwungen. Dieses Bey spiel merk!
Hat Hiskias nicht erbetten die Gesundheits-Gab / als er schier hätt sollen tretten aus dem Bett' ins Grab? ach ich wüst' ihr viel zu schreiben: doch muß es anitzt verbleiben / weil nicht Zeit ich hab?
Ich will nur von neuem sagen / was ich selbst gesehn meines Vettern Krankheits Plagen musten stracks vergehn / als wir zu dem Herrn lieffen um Gesundheit ihn anrieffen / ist es gleich geschehn.
Beten / ist mein Wehr und Waffen / drauff ich mich verlaß. Alles kan ich mit verschaffen / wann ichs nur recht fass' / alles Unglück überwinden / Wunder-Trost in Trübsal finden: was ist über das?
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