Versos German Catharina Regina von Greiffenberg Unterthänige Dienst-Aufopfferung dem Höchsten

German poem

Unterthänige Dienst-Aufopfferung dem Höchsten

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Ich opffre Gott auf bey de Weiß / mein Seele / Sinnen / Thun und Fleiß / mein Würkung / Willen / Gut und Blut / mein Krafft / Verstand / mein Herz und Muht.

Ist es / O Gott / der Wille dein / daß ich allhier soll elend seyn / ohn' alle Zeitlich' Ehr' und Freud / mit Angst und Noht in Einsamkeit:

Ey so gescheh dein wehrter Will / der war / ist noch / und bleibt / mein Ziel. Mit tieffster Unterthänigkeit mein Will / zu leiden / ist bereit.

Ich bitt' allein / O Jesu Christ! weil in mir kein vermögen ist / zu leisten / was mein Mund verheist: gib mir zur Gnad dein wehrten Geist;

Der mich in Trübsal also stärk / daß vor Gedult kein Angst ich merk; der das / was mir unmüglich fällt / mir helffe würken in der Welt.

Vor allen ich dir meine Seel aufopffer' / und sie dir befehl: O starker Felß / laß keine Noht sie scheid-und trennen nicht von Gott.

Verstand / der Seelen erste Krafft / der saug' aus deiner Weißheit Safft / wie über-wol um uns es steh / wann es nach deinem Willen geh.

Gedächtnus / schlag die Bücher auf / von anbegin der Schickung-Lauff / und finde / daß es Gott so schickt: daß hiesigs Creutz / uns dort beglückt.

Die Lieb / der Seelen bestes Theil / die halt des Liebsten Schläg für Heil / an seiner Lieb sich so ergetz / daß sie in Creutz sich seelig schätz.

Sie lieb' ihn stark / in höchster Pein. und wann es auch solt müglich seyn / daß er ihr Feind zu seyn auch schien; der Liebe Feur doch in ihr brinn.

Wann Kunst und Weißheit wär bey mir / woltich sie auch aufopffern dir; vor alles Lob und Ehren-Pracht / mit Freuden seyn vor nichts geacht.

Mit Himmels-Muht mein Aug' verbind / daß es zur eitlen Lust sey blind / mein Sünd' und Elend stäts bewein / so lang es ist der Wille dein.

Zu Lob' und Lust mein Ohr sey taub: dann beedes ist ein Herzen-Raub. Verachtung sey mein gröste Ehr: durch diese gleich' ich dir nur mehr.

Gibstu mir nur ein Stäublein Mehl des Himmel-Trosts in meine Seel / so ist kein Tod in Töpffen mehr / wann auch das Creutz noch bittrer wär.

Mein Herz acht keine Schmerzen-Stich / wann es nur nicht verlieret dich. Kein süsser Ruch mich nicht erquickt / wird er mir nicht von dir geschickt.

Herr / nimm mein Leib und Leben hin! ich acht' es alles vor Gewinn / was ich in deinem Dienst verlier / dein Creutz / ist meine schönste Zier.