Versos German Charles Baudelaire Der Wein der Bettler

German poem

Der Wein der Bettler

by (1821–1867)

Listen in the reader

Oft kommt bei einer laterne rotem glanze Beim rasseln des glases · der flamme zuckendem tanze In alter vorstadt irrgängen dumpf und feucht Darin in stürmischer gärung die menschheit keucht:

Ein bettler des weges der mit dem kopfe schüttelt Der wie ein dichter an mauern rennt und rüttelt Er nimmt auf die spähenden wächter keine acht Ergiesst sein herz in eingebildeter macht

Erhabne gesetze gebend und eide schwörend Die bösen vernichtend die schuldlosen opfer erhörend. Der himmel ist über ihm wie ein throndach geschmückt Er ist von dem glanz seiner eigenen würden entzückt –

Ja diese leute von häuslichen sorgen gepeinigt Vom alter gemartert und von der arbeit gesteinigt Entkräftet · unter dem haufen von trümmern geneigt Ein wüstes gewühl das der riesigen stadt entsteigt:

Sie kehren mit ihren gefährten in kriegen gemagert Zurück und ein fassgeruch über den ziehenden lagert Wie fetzen von alten fahnen hängt ihr bart – Die banner die blumengeschmückten bogen der fahrt

Erheben sich vor ihnen in festlichem jubel Sie bringen in glänzendem und betäubendem trubel Von sonne von waffen von pauken und stimmengebraus Dem liebetrunkenen volke die ehre nach haus ..

So rollt durch die völker · die schwelger in heitren genüssen Der wein sein gold dahin in blendenden flüssen Er singt in der kehle des menschen was er schon vollbracht Und mit seinen gaben erwirbt er sich fürstliche macht –

Den gleichmut zu wiegen und zu verscheuchen den kummer Erfand der Herr von reue erfasst den schlummer Für all die verwünschten die nah an den gräbern sind – Der mensch fand den wein · der sonne geheiligtes kind.