German poem
Die Leuchttürme
by Charles Baudelaire (1821–1867)
Rubens · der müssigkeit garten · fluss von vergessen Und pfühl frischen fleisches · für unsre liebe wol leer Doch von einem leben so strömend und drängend besessen Wie luft in dem himmel und wie das meer in dem meer.
Leonardo da Vinci · ein spiegel tief und dunkel Wo reizende engel mit ihrem süss-lächelnden mund Und voll von geheimnis erscheinen im abendgefunkel Der gletscher und fichten · des heimatlands hintergrund.
Rembrandt · trauriges siechhaus voll murmelnder stimmen Und mit einem grossen kruzifix nur geschmückt Wo beten und weinen über dem unrat schwimmen – Und jählings von einem winterstrahle durchzückt.
Michelangel · nebelwelt wo die giganten hämmern Und märtyrer dulden · wo sich in die höhe streckt Aus seinem grab ein mächtig gespenst das im dämmern Sein schweisstuch zerreisst indem es die finger reckt.
Der wettkämpfer wüten · das schamlose treiben der faunen: Du der die schönheit bei pöbel und schurken fand Du stolzen sinnes doch schwach und mit giftigen launen Puget · du trauriger fürst in der sträflinge land.
Watteau - ein fasching wo viele erlauchte herzen Wie schmetterlinge irren mit zuckendem glanz Ein frischer und leichter zierrat erhellt von den kerzen Die tollheit giessen in diesen wirbelnden tanz.
Goja · ein nachtmahr von unergründeten dingen Von leichen die man an hexensabbaten sott Wo weiber vorm Spiegel und nackte mädchen sich schwingen Die strümpfe sich bindend den lüsternen geistern zum spott.
Delacroix · blut-see wo böse engel sich scharen Darüber die schatten der stets grünen fichten ziehn Wo unter dem traurigen himmel fremde fanfaren Wie ein erstickter seufzer von Weber fliehn. –
Dies alles an flüchen an lästerungen an träumen Verzückungen klagen thränen und lobliedern trifft Sich wie ein echo aus tausend verschlungenen räumen Es ist für die menschen ein göttlich berauschendes gift
Es ist ein laut den tausend schildwachen schreien Ein losungswort das von tausenden lippen schwirrt Es ist ein leuchtturm der flammt über tausend basteien Ein ruf von jägern im dickicht des waldes verirrt.
Dies ist es o Gott! was bei all deinen herrlichkeiten An unsre würde uns den glauben erwirbt: Der glühende seufzer der hinrollt von zeiten zu zeiten Und der am rande deiner ewigkeit stirbt.