Versos German Charles Baudelaire Eine Erscheinung

German poem

Eine Erscheinung

by (1821–1867)

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In kellern unerforschter bitterkeit Wohin mich widrige geschicke stiessen Wo niemals rosig schöne strahlen fliessen Nur in der nacht verdriesslichem geleit

Bin ich ein maler dem ein gott im scherz Zu malen aufgetragen ach! im düstern Ich bin ein koch nach grausen speisen lüstern Ich siede und verzehre selbst mein herz.

Zuweilen schimmert dehnt sich und verdichtet Ein schattenbild voll anmut und voll pracht Und in des Ostens träumerischer tracht.

Nun hat sichs ganz und gross emporgerichtet: Ich kenne meine schöne freundin schnell Sie ist es: finster und doch strahlenhell.

Mein leser · hast du einmal eingesogen Mit wollust nach des feinen schwelgers brauch Das weihrauchkorn in eines domes bogen Und eines kissens matten amberhauch?

O tiefer reiz wenn das vergangne wieder Zum leben auferwacht und uns berückt Und wenn der freund um der geliebten glieder Die zarte blume der erinnrung pflückt!

Aus ihren biegsamen und schweren haaren (Die weihrauch-rost und ambra-kissen waren) Entschwebte wilder trotziger geruch

Aus ihrer kleider sammt- und seidentuch Ganz überhaucht von reinem jugendschmelze Befreite sich ein duft wie duft der pelze.

Bei dem gemälde geben schöne rahmen Auch wenn es aus berühmtem pinsel stammt Ein eignes wunderbares dem gesammt Da sie es erst dem weiten all entnahmen.

So fügten sich die möbel die drapierung Der schmuck zu ihrer seltnen schönheit ganz Kein ding verdunkelte den vollen glanz Und alles diente ihr nur zur verzierung.

Sie schien zu glauben dass die ganze erde Sie lieben müsse. es erstickten fast Mit ihren küssen linnen und damast

Den körper nackt und schön und stets erregt Er zeigte hastig oder sanft bewegt Der jungen katze kindliche geberde.

Siechtum und tod verwandelten in schlacken Die feuerglut die einstens in uns gor. Der zarte heisse blick der schöne nacken Und dieser mund wo sich mein herz verlor

Die küsse stark wie eine zauberpflanze Und unsre schöne liebesraserei O schrecken! was verblieb von ihrem glanze? Nichts als ein matter schattenriss in blei

Der so wie ich verstaubt und alt geworden Und den die zeit · ein geist voll scheeler gunst Tagtäglich fegt mit rauhem flügelpaar ...

Du düstrer feind des lebens und der kunst Du sollst mir niemals im gedächtnis morden Sie die mein glück und meine wonne war.