German poem
An Friedrich Wilhelm den Zweiten
by Christian Friedrich Daniel Schubart (1739–1791)
Zittre nicht an deines Oheims Bilde Mit den ehrnen Füßen, mit dem Wodansschilde, Und dem wetterleuchtenden Gesicht, Friedrich Wilhelm, zittre nicht!
Wenn dein Oheim an die Sterne streifte, Wenn Er Thaten wie Gebirge häufte, Wenn Er groß im Wetter der Gefahr, Groß im Friedenssäuseln war;
Wenn Er Städte nahm wie Vogeleier, Wenn Er wärmte sich am Schlachtenfeuer, Und mit Adlerkrallen krumm und scharf Legionen niederwarf;
Wenn der angestaunte Geistkolosse Welten wog in seinem Königsschlosse, Und des Neides und der Zwietracht Brut Fesselte mit Löwenmuth;
Wenn der große königliche Weise Herrschen stand in andrer Weisen Kreise; Wenn vor seinem Genius entzückt Schöpfergeister sich gebückt:
So betrachte ruhig den Giganten, Schau dem Großen, schau dem Allbekannten Unverwandt ins Sonnenangesicht, Aber Wilhelm – zittre nicht!