German poem
Aus einem Brief Schubarts an seine Tochter
by Christian Friedrich Daniel Schubart (1739–1791)
»Nein, herziger Vater, Noch oft wird sie fließen Aufs nächtliche Lager, Noch oft werd' ich seufzen Aus mattgeöffneten Lippen: Brüderlein, wo bist du? Herzen Ludwig, wo weilst du? Zwo Rosen waren wir, Ein Männlein du, ein Weiblein ich; An Einem Stengel standen wir, Kos'ten einander so freundlich, Scherzten so hell und so launig – Und ach! vom Stengel riß Die Hand des Schicksals dich. Nun schwank' ich allein am Stengel, Ich armes Julchen, allein!! –«