German poem
Das Schwabenmädchen
by Christian Friedrich Daniel Schubart (1739–1791)
Ich Mädchen bin aus Schwaben, Und braun ist mein Gesicht; Der Sachsenmädchen Gaben Besitz' ich freilich nicht.
Die können Bücher lesen, Den Wieland und den Gleim: Und ihr Gezier und Wesen Ist süß wie Honigseim.
Der Spott, mit dem sie stechen, Ist scharf wie Nadelspitz; Der Witz, mit dem sie sprechen, Ist nur Romanenwitz.
Mir fehlt zwar diese Gabe, Fein bin ich nicht und schlau; Doch kriegt ein braver Schwabe An mir 'ne brave Frau.
Das Tändeln, Schreiben, Lesen Macht Mädchen widerlich; Der Mann, für mich erlesen, Der liest einmal für mich.
Ha, Jüngling, bist aus Schwaben? Liebst du dein Vaterland? So komm, du sollst mich haben. Schau, hier ist meine Hand!