Versos German Christian Friedrich Daniel Schubart Die Gruft der Fürsten

German poem

Die Gruft der Fürsten

by (1739–1791)

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Die Gruft der Fürsten. Von Schubart auf Hohenasberg.

Da liegen sie, die stolzen Fürstentrümmer, Ehmals die Götzen ihrer Welt, Da liegen sie vom fürchterlichen Schimmer Des blossen Tags erhell’t.

Die alten Särge leuchten in der dunklen Verwesungsgruft, wie faules Holz. Wie matt die grossen Silberschilde funkeln Der Fürsten letzter Stolz.

Entsetzen packt den Wandrer hier beym Haare Giesst Schauer über seine Haut, Wo Eitelkeit, gelehnt an eine Bahre, Aus holem Auge schaut.

Wie fürchterlich ist hier des Nachhalls Stimme! Ein jäher Tritt stört seine Ruh, Kein Donner spricht mit schreckenvollerm Grimme: O Mensch, wie klein bist du!

Denn ach, hier liegt der edle Fürst, der Gute Zu Völker Seegen einst gesandt, Wie der, den Gott zur Nationenruthe Im Grimm zusammenband.

An ihren Urnen weinen Marmorgeister, Doch kalte Thränen nur von Stein, Und lächelnd grub vielleicht ein welscher Meister Sie einst in Marmor ein.

Da liegen Schädel mit verloschnen Blicken, Die ehmals hoch herabgedroht; Der Menschheit Schrecken, denn an ihrem Nicken Hieng Leben oder Tod.

Nun ist die Hand hinweg gewelkt zum Knochen, Die oft mit kaltem Federzug Den Weisen, der am Thron zu hart gesprochen, In harte Fesseln schlug.

Zur morschen Ripp’ ist nun die Brust geworden, Einst eingehüllt in Goldgewand, Woran ein Stern und ein entweihter Orden Wie zwey Kometen stand.

Vertrocknet und verfault sind die Kanäle Wo geiles Blut wie Feuer floss, Das schäumend Gift der Unschuld in die Seele, Wie in den Körper goss.

Sprecht Höflinge, mit Ehrfurcht auf der Lippe, Nur Schmeicheley ins taube Ohr, Beräuchert das durchlauchtige Gerippe Mit Weyrauch, wie zuvor.

Es steht nicht auf, euch Beyfall zuzulächeln, Und wiehert keine Zoten mehr, Damit beschminkte Zofen ihn befächeln Schaamlos und geil, wie er.

Sie, die im erznen Busen niemals fühlten Die Schrecken der Religion, Und Gottgeschaffne bessre Menschen hielten Für Vieh, bestimmt zum Frohn.

Die das Gewissen, jenen mächt’gen Kläger, Der unsre Schulden niederschreibt, Durch Trommelschlag, durch wälsche Trillerschläger Und Jagdhorn, übertäubt.

Die Hunde nur, und Pferd’ und geile Dirnen Mit Gnade lohnten, und Genie Und Tugend darben liessen – denn das Zürnen Der Geister weckte sie. –

Da liegen nun in dieser Schauer-Grotte Mit Staub und Würmern zugedeckt, Wie stumm, wie ruhmlos! Noch von keinem Gotte Zum Leben aufgeweckt.

Weckt sie nur nicht mit eurem bangen Aechzen, Ihr Schaaren, die sie arm gemacht, Verscheucht die Raben, dass von ihren Krächzen Kein Wütrich hier erwacht.

Hier klatsche nicht des armen Landmanns Peitsche, Die Nachts das Wild vom Acker scheucht, An diesem Gitter weile nicht der Deutsche, Der siech vorüber keucht.

Hier weine nicht der bleiche Waisenknabe Dem ein Tyrann den Vater nahm, Nie fluche hier der Krüppel an dem Stabe Von fremden Solde lahm:

Damit die Quäler nicht zu früh erwachen; Seyd menschlicher, erweckt sie nicht! Ha, früh genug wird über ihnen krachen Der Donner am Gericht;

Wo Todesengel nach Tyrannen greifen Wenn hier im Zorn der Richter weckt, Und ihre Greu’l zu einem Berge häufen, Der flammend sie bedeckt.

Ihr aber, bess’re Fürsten, schlummert süsse Im Nachtgewölbe dieser Gruft, Schon schreitet euer Geist im Paradiese Gehüllt in Blütenduft.

Jauchzt nur entgegen jenem grossen Tage, Der aller Fürsten Thaten wiegt. Wie Sternenklang tönt euch des Richters Waage, Drauf eure Tugend liegt.

Ach unterm Lispeln eurer frohen Brüder, – Ihr habt sie satt und froh gemacht, – Wird eure volle Schaale sinken nieder, Wenn ihr zum Lohn erwacht.

Wie wirds euch seyn, wenn ihr am Sonnenthrone Des Richters Stimme wandeln hört, Ihr Brüder, nehmt auf ewig hin die Krone, Ihr seyd zu herrschen werth.