Versos German Christian Friedrich Daniel Schubart Frischlin

German poem

Frischlin

by (1739–1791)

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Frischlin .

Wo liegt Frischlin, der Bruder meines Geistes, Wo scharrten sie des Edeln Asche hin? Wo ist sein Grab mit stillem Moos bewachsen? Wo liegt Frischlin?

Er schlummert nur – vielleicht auf einem Anger! Dann Fürstenhaß lag auf ihm Hügelschwer. Und Pfaffen brüllten über seiner Leiche: Verdammt ist er!

Und doch, Frischlin, hat dir vom Aug herunter Der Aetherstrahl des Genius geflammt; Und besser warst du, als die Hasser alle, Die dich verdammt.

Als Knabe schon griefst du mit kühnem Finger Ins Saitenspiel. Als Jüngling wirbelst du Der Lyra Stralen. Deine Töne flogen Den Wolken zu,

Die um den Mond wie Silberduft sich ziehen. Versammelt waren Roma’s Dichter drauf. Sie stuzten: Aus den Wäldern der Barbaren Steigt Sang herauf?

Dir hat Apoll, wie Plautus! deinem Bruder, Mit eigner Hand den Sokkus angeschnürt. Und Jokus hat in seinen Nektarkeller Dich selbst geführt.

Er reichte dir in einem Faunenhorne Des Göttertrankes viel. Da stieg dein Herz Herauf ins Antlitz, und die Lippen trofen Von hellem Scherz.

Dich hat Homers und Maro’s Geist belächelt, Und selbst der Geist des stürmenden (Pindar.) Es segneten der Alten Geister alle Dich unsichtbar.

Dein Auge sah nicht mit dem Scholiasten Nur Wörterkram und Periodenfluß. Es sah das Schöne; sah das Wetterleuchten Des Genius.

Wie silbernes Geträufel aus den Wolken War deine Red’ im vollgedrängten Saal. Die Wahrheit schien ein Schwerdt in deinem Munde, Ein Wetterstral.

Als Römer schriebst du; aber deine Seele Voll Vaterland, liebt deutschen Biderton. Du sprachst den stolzen purpurnen Tirannen Ins Antliz Hohn.

Da schlug Gewaltthat dich in Eisenfessel. Sie gieng voll Hohn um deine Gruft herum, Und brüllte: Ha, da fault er nun, mein Hasser, Auf ewig stumm.

Du aber schnellst mit wuthbeflammten Händen Die dichtgeringte Eisenlast entzwei. Entreißst dich muthig durch des Kerkers Quater Der Sklaverei.

Doch ach! an eines grauen Felsen Wurzel Fand er, der Edle, seinen Märtrertod. Ein Winzer sah den Dichter blutig liegen Im Morgenroth.

Wo ruht er nun, der Bruder meines Geistes? Wo scharrten sie des Edlen Trümmer hin? O sagt mir’s, daß ich ihn mit Thränen salbe: Wo liegt Frischlin??