German poem
Gedancken über den Streit der Seele
by Christian Friedrich Hunold (1680–1721)
Du must lieben/ Aber ach/ du weist nicht wie? Tausend Foltern und Betrüben Fliehen deine Seele nie. Daß sie so verflucht und hasset/ Was sie in ihr innres fasset.
Du must ehren/ Was die Welt unehrlich heißt/ Ehrbegierig/ ach und hören/ Daß dein Hermeliner Geist/ Wenn er sich zu ihr geleget/ Sich in Schlamm der Unzucht träget.
Du wilst freyen Die so viele Männer kennt/ Die der rechte/ welch bereuen/ Seine Hölle hat genennt. Sonst das Paradieß auf Erden Soll dein Fege-Feuer werden.
Du must küssen/ Aber nur aus Raserey/ Und von der Tarantul bissen Wird Vernunfft und Hertz nicht frey/ Biß die Wollust aufgespielet/ Und du in dem Schlamm gewühlet.
Solst du lieben/ Ach so sey durch lauter Huld Dir nicht weiter vorgeschrieben/ Himmel/ was mit Ungedult Du vor eine Lust erkennest/ Und doch einen Abschen nennest.
Drum ihr Seelen Flieht wo Wollust aufgedeckt. Die den Köder einmabl wehlen/ Welcher Anfangs lieblich schmeckt/ Werden Fischen gleich gefangen/ Und daran auf ewig hangen.
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