Versos German Christian Jacob Wagenseil An die Freude

German poem

An die Freude

by (1756–1839)

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Nein! – du bist nicht verschwunden, Du, die in früher Zeit So oft mit Wonnestunden Mein junges Herz erfreut. O du im Rosenkleide, Ich kenne deine Spur, Du Himmelskind, o Freude, Du Liebling der Natur!

O Zeit, wo sie, von Scherzen Umgauckelt, mich umschwebt, Nach manchen herben Schmerzen Mich wieder neu belebt; Wo sie im Aetherglanze Sich mir zur Seite hing, Mit mir zum frohen Tanze In Winternächten ging.

Wo sie zum Rundgesange Den lieben Zirkel schloß, Und bey der Gläser Klange Manch Lächeln ihr entfloß. Wo Gold aus Bechern blinkte, Gezeugt am alten Rhein, Und wo sie freundlich winkte, Mit Frohen froh zu seyn.

Wo süße Mädchen sangen, Wo bey der Freude Lob Ein sehnendes Verlangen Die jungen Busen hob; Wo aus des Flügels Saiten Sie Harmonie’n entwand, Und ihren Hochgeweihten Mit Blumenketten band.

Wo Freude zu den Hallen Der Freundschaft mich geführt, Wo Glück des Einen allen Das offne Herz gerührt; In der Geliebten Armen Sie selig mich beglückt, Mit Küssen von dem warmen, Dem süßen Mund entzückt.

O! laß mich nie vergebens Dich suchen, goldne Zeit! – Der beste Theil des Lebens War, Freude, dir geweiht. Das Restchen brächt’ ich gerne An deinem Hochaltar, Diesseits der Liebe Sterne, Dir froh zum Opfer dar.

O wohl mir, denn es prangen An meinem Pilgerstab Noch Rosen! – Von den Wangen Bebt manche Thrän’ herab, Wenn die Erinnrung Bilder Verfloßner Zeiten mahlt, Und mir dein Auge, milder Als Glanz der Sonne, stralt.

Noch scheucht die goldne Leier Aus wunder Brust den Schmerz, Noch, voll von Jünglingsfeuer, Drück’ ich den Freund ans Herz. Ach! schöner Thaten Kunde Erfüllet noch mit Lust, Und von der Gattin Munde Der Kuß, die frohe Brust.

In guter Kinder Mitte Erhöhet sich mein Glück, Und nah’n sich Enkeltritte, Wie segn’ ich mein Geschick! Noch stark am Altersstabe Gibt Wonne mir der Fleiß, Labt mich des Rheines Gabe In guter Menschen Kreis.

Sey nah mir, holde Freude, Bis du mich aufwärts trägst, Und einst im Engelkleide Die freye Brust bewegst! Dort, wo entzückt die Hände Sich Freund und Freundinn reicht, Dort ist dein Reich ohn’ Ende, Und jeder Gram entweicht.

Wagenseil.