German poem
Auf der Burgruine
In dem Neste Droben auf dem Fels ein Sänger lag, Eingekerkert dort schon Jahr und Tag Auf der Veste.
Aus dem Kerker Brach er einst bei mitternächt’ger Weil‘, Wollt‘ herab sich lassen an dem Seil Von dem Erker.
Doch zerschmettert Fanden ihn die Wächter morgens schon; ‘s war im Spätherbst, und der Buchen Kron‘ Laubentblättert. –
Aus den welken Grauen Flechten, die sein Blut benetzt, Sind nun aufgesproßt und blühen jetzt Felsennelken.
Aus den Moosen, Aus den Steinen, die sein Blut bespritzt, Sind nun aufgesproßt und blühen itzt Skabiosen.
Augenspiegel Schweben um die Nelk‘ und Skabios‘, Um die weiß und rothe Waldesros‘ Auf dem Hügel.
Augenspiegel Schweben hier im blauen Freiheitssaal, Blutge Tröpflein, wie ein blut’ges Mal, Auf dem Flügel. –
Laß das Trauern! Von des Leibes Banden ausgeschirrt, Seine Seele nun als Falter irrt Ob den Mauern.