German poem
Auff den einfältigen Balbus
by Christian Wernicke (1661–1725)
Der gute Balbus sagt: Er hätt' es nie gedacht, Dass auch ein hesslich Weib den Mann zum Hahnrey macht; Er hätt' es nie gedacht, dass mancher wird verjaget Von Hauss und Hoff, weil er dem Herrn die Wahrheit saget; Er hätt' es nie gedacht, dass mancher Bücher schreibt Von Gott und seinem Wort', und doch an Gott nicht gläubt; Er hätt' es nie gedacht, daß mancher schwert und fluchet Dass dessen Freund er sey, den er zu fällen suchet; Er hätt' es nie gedacht, dass man kein Schwefel-Licht Vor hundert Thaler kaufft, die mancher Graf verspricht; Er hätt' es nie gedacht, dass er sein Ehweib schläget, Der vor den Leuten sie fast auf den Händen träget; Er hätt' es nie gedacht, dass mancher der ein Kleid Mit Gold gesticket trägt, offt Durst und Hunger leidt; Dass mancher Findling wird vor rechten Erb erkennet, Und manche Missgebuhrt wird Wollgebohrn genennet; Dass tugendsam der Hur', und hoch- und wollgeacht Der Wuchrer Titel ist, das hätt' er nie gedacht. Und ich gläub' itzund kaum, misstrauend meinen Ohren, Dass einer reden kan, der taub und blind gebohren.