German poem
Die Rose
by Christoph August Tiedge (1752–1841)
Die Rose.
Du blüh’st beim Liebgekose Der Luft in Lieb’ und Lust; Weißt Du, zu welchem Loose Du blühtest, sanfte Rose? Sollst ruh’n an meiner Brust.
Im schützenden Gehäge Der Dornen blühtest Du Durch meine treue Pflege; Nun pflück’ ich Dich, und lege Dich an mein Herz zur Ruh.
Nur wenig Frühlingswochen, Geliebte, reiftest Du Und bist nun aufgebrochen, Mein Herz wird freudig pochen, Kommst du daran zur Ruh.
Ich blühte sechszehn Lenze Und wol so schön wie Du: Ich wand schon manche Kränze Für fremde Hochzeittänze Und kam noch nicht zur Ruh!
C. A. Tiedge.