Versos German Clara Müller-Jahnke Die Liebe höret nimmer auf

German poem

Die Liebe höret nimmer auf

by (1860–1905)

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Verklungene Lieder, verblaßtes Blau, – wie kühl der Wind und die Welt wie grau!

Die letzte Rose am Hag verblüht, ein Tränenregen vom Himmel sprüht.

So schal und dunkel des Jahres Rest – die Glocken läuten zum Totenfest.

Der Mund, der schmeichelnd dich einst geküßt, ward kalt und stumm, nun du elend bist –

der Arm, der schützend dein Haupt umschlang, er ruht im Grabe und modert lang, –

und das Aug', das lächelnd das deine traf, nun schläft es den tiefen, den ewigen Schlaf. –

Und was dich freute, und all, was dein, das sollt für immer verloren sein?!

Was irdisch, wurde der Erde Raub; bekränze den Hügel, – den Staub zum Staub.

Dann aber den tränenden Blick hinauf: »Die Liebe, sie höret nimmer auf!«

Wer heiß geliebt und wer hoch gestrebt, der ist nicht begraben und tot, der lebt –

Das Samenkorn, das wir der Erde vertraut, wird keimen, sobald der Himmel blaut,

Und das Auge, das heut in Schmerzen weint, wird lächeln, wenn wieder die Sonne scheint.

O Tag der Toten, du Tränentag: Wie trüb der Himmel auch scheinen mag,

wie tief auch Hügel und Tal verschneit: Ich glaub an die kommende Frühlingszeit, –

ich schlage das Auge zum Licht hinauf und weiß: Die Liebe hört nimmer auf!