German poem
In der Not
by Clara Müller-Jahnke (1860–1905)
Durch knorrige Fichten pfiff der Sturm, der Himmel war wie lauter Blut. Aus gierigen weißen Wogen griff mit Flammenarmen die Abendglut.
Und der Sturmball stieg am Mast empor: Ein Schoner tanzte im Orkan. Und die Flagge flog. Mit scheuem Blick in die stürzende Gischt die Schiffer sahn.
Und der Sturmball stand, und der Sturmball fiel, – die Lotsen zogen die Ruder ein. O du tanzendes Schiff, o du schwankender Kiel, nun mag der Himmel dir gnädig sein!
O du ringendes Herz in der Not, in der Not . . . und der Hafen so nahe, der Friedensport! Und wieder treibt dein Dämon dich ins Uferlose fort –
Und die Glut erlosch. Mit Raubtierschritt schlich über die Düne die Nacht daher. Ich sah sie lehnen am Hafendamm und die Hände strecken weit über das Meer.