Versos German Clara Müller-Jahnke Mich lockt deine Stimme

German poem

Mich lockt deine Stimme

by (1860–1905)

Listen in the reader

Mich ruft deine Stimme aus Nacht und Not, aus der Tiefe, darin die Flamme loht, – sie gellt hinauf in den schimmernden Saal; bleich werden die Gäste beim Hochzeitsmahl.

Ein Schatten fiel in des Festes Glanz, – aus dem Haare lös' ich den Myrtenkranz; ab setz ich das Glas mit dem glühroten Wein: Mich ruft deine Stimme aus feuriger Pein.

Sie ruft mich hinweg aus dem sonnigen Licht; am Finger der güldene Reif zerbricht, auf der Stirne brennt mir das Kainsmal, – mich lockt deine Stimme in ewige Qual.

Rosen und Myrten, die mir zum Gruß am Boden duften, zertritt mein Fuß. Den seidenen Schleier reiß ich entzwei . . . ich komme, Unseliger – ich bin frei!

Und mit der Hand, die den Goldreif trug, scheuch ich den Geier in seinem Flug – – in die Flamme der Hölle riefst du mich, und meine Träne rinnt über dich . . .