Versos German Clara Müller-Jahnke Träume nur, Seele

German poem

Träume nur, Seele

by (1860–1905)

Listen in the reader

In den verdämmernden Herbsttag hinein zauberst du lachenden Sonnenschein, und aus der Blätter vergilbendem Flor blühen dir duftige Veilchen empor, träumende Seele –

Tönt denn der Glocken dumpfhallender Klang dir wie ein schmetternder Lerchengesang? Siehst du der Erde verweintes Gesicht, fühlst du die eisigen Nebel denn nicht, träumende Seele? –

Träume nur, träume . . . der Frühling ist weit; Rosen hat's nimmer im Winter geschneit – dumpf nur und klagend, verweht vom Nordwest, läuten die Glocken zum Totenfest. Träume nur, Seele . . .