German poem
Wandlung
by Clara Müller-Jahnke (1860–1905)
Du steinerne Stufe am grauen Haus, wie sprang ich einst lachend auf dich hinaus! Barfüßig im Hemde, ein fröhliches Kind – und die Pappeln rauschten im Juniwind.
Die Wiese war klee- und mohndurchblüht und der Berg von Sonne überglüht, und die Frösche sangen in Moor und Sumpf viel lustige Weisen dem Weidenstumpf.
Du steinerne Stufe, am grauen Haus – aus ragenden Gassen zog ich aus und habe müde und abgehetzt den Lackschuh heute auf dich gesetzt.
Die Pappeln dorrten im Ofenbrand, und die Wiese durchquert ein Eisenband – über dem Berge im Abendhauch kräuselt sich dicht der schwarze Rauch.
Nur der Klee blüht rot wie in alter Zeit, und der Mohn brennt wie blutiges Herzeleid . . . und die Frösche quaken in Sumpf und Moor mir alte schaurige Weisen vor.