German poem
Der Comtur
by Conrad Ferdinand Meyer (1825–1898)
Als ich entlang das helle Seegestad Nach Pfäffers ritt ins heiße Felsenbad, Wo man in Unterwelt und Wellenguß An schwankem Seile niederschweben muß,
Wo keck zur Hölle fahren Mann und Weib Und wiederkehren mit geheiltem Leib—
Fand ich in Küsnach gastlich Nachtquartier Und scherzend sagte der Comtur zu mir:
"Braucht Ihr Moneten? Tuet nicht verschämt! Der Pächter brachte zwanzig Gulden. Nehmt!
Werft keinen nieder! Hier ist's unerlaubt. Nehmt! Und Ihr habet bloß den Staat beraubt!
Mein teurer Ritter, nehmet ungeziert! Wir werden morgen säkularisiert
Und lieber als dem Staat, der alles frißt, Gönn' Euch ich's, der ein Mensch und Würfler ist."
Ich strich es ein und schwang mich in den Sitz Und lachte: Herr Comtur, Ihr habet Witz.
Und weiter oben, wo sich biegt der See Und nah und näher tritt der ew'ge Schnee,
Bespiegelt' in der Flut ein Eiland sich, Daran ich leichten Sinns vorüber strich.
Ich ließ es rechts im flücht'gen Wellenspiel Und ahnte nicht mein letztes Wanderziel.