German poem
Das Geheimniss frommer Waller
by Dschalal ad-Din ar-Rumi (1207–1273)
Das Geheimniss frommer Waller Ward mir klar und offenbar, Und stets gleiche Pfade schritt ich Mit der heil'gen Bürger Schaar. Fern von ird'schen Räumen sah ich Das erhab'ne Himmelsdach, Wurde Staub und legt' als Teppich Mich in's himmlische Gemach. In den Adern treuer Liebe Ward ich Blut und brauste wild, Und im Auge der Verliebten Ward ich Thau und glänzte mild. Und bald ward ich, so wie Issa, Eine Zunge ganz und gar, Bald ein Herz, stumm und verschwiegen, Wie das Weib, das ihn gebar. Was von Issa und Maria Lebet in der Sage fort, Dieses Alles ward ich selber, Schenkst du Glauben meinem Wort. Von der Gottgeweihten Liebe Schmerzendem Lanzettenstich Ward ich hundertfach verwundet; Doch das Pflaster auch bin ich. Mit dem Todesengel wallt' ich Gleiche Bahnen immerdar, Und zur Stelle will ich sterben, Wenn er je mir furchtbar war. Und ich kämpfte mit dem Tode Angesicht an Angesicht, Bis des grausen Todes Auge Wonne mir gebracht und Licht Und den Sattelgurt des Lebens Gürtete ich vollends los, Und dem Sattel ew'ger Dauer Schwang ich rasch mich in den Schoos. Hör' von mir den Laut der Flöte Tönend aus des Ew'gen Reich, Der ich krumm bin und gebogen, Einer Harfe Rücken gleich. Gott, das weiseste der Wesen, Zeigte mir sein Angesicht, Und ich gab mich Gott zum Opfer, Und mehr Weisheit taugt mir nicht. Als der Feste grösstes pranget Stets Tebrisens Sonnenstrahl, Und zum grössten Opfer ward ich Bei des Festes heil'gem Mahl.
More by Dschalal ad-Din ar-Rumi
- Bald bin ich falsch, bald bin ich wahr
- Bald hasst man mich, bald bin ich der Verehrte
- Bist du entschlossen nach dem Freund zu streben
- Das Bild, das du im Schönheitsglanz gesehen
- Das theure Bild, das ich so gern gefunden
- Der du aus des Nichtseyns Lande
- Der du einzig, lebend bist und weise
- Der du herrschest auf dem ew'gen Throne