Versos German Edgar Allan Poe Die Glocken

German poem

Die Glocken

by (1809–1849)

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Hört der Schlittenglöckchen Reihn, Silberfein! O wie lustig tönt ihr Läuten in die Welt hinein! Wie sie klingen, klingen, klingen Durch die eisig kalte Nacht! Während sich in goldnen Ringen Tausend Stern’ am Himmel schwingen, Deren Licht herniederlacht, Knisternd leis, leis, leis In geweihtem Zauberkreis Zu dem lieblichen Geläute, das die Glöckchen uns gebracht, Zu dem Klingelingeling, Klinglingling Zu dem Klingen und dem Schwingen in der Nacht.

Hört der Hochzeitsglocken Sang, Goldnen Klang! O wie heiter fühlt das Herz des Glückes Überschwang! In balsamisch lauer Nacht Welch ein Jubel ist erwacht! Horch! ein wehmuthfeuchtes Lied, Wonnig weich, Süß und sacht hinüberzieht Zu der Turteltaube, die man träumen sieht Im Gezweig! Welch ein Strom von Tönen dringt Reich und reicher durch das Schweigen, das die Nacht uns bringt! Wie Das schwingt! Wie Das singt Von der Zukunft! wie es klingt Vom Entzücken, das da schwingt All’ die Glocken, die uns locken Süßen Klangs Mit dem Bimbambim, Mit dem Bimbambimbam Bimbambim, Mit den schönen Wundertönen ihres Sangs!

Hört der Feuerglocken Hall, Eisenschall! O wie schaurig und wie schrecklich schwillt der Töne Schwall! In das Ohr der bangen Nacht Braust der wilden Klänge Schlacht. Keine Musik mehr erschwellt, Rauh und widrig gellt – gellt Nur ein Schrei, Nur ein Wimmern und ein Winseln um Erbarmen zu der Gluth, Nur ein wahnsinnwirres Hadern mit der tauben, tollen Gluth, Roth wie Blut, Die nicht rastet und nicht ruht, Höher stets und höher leckend, Fast empor zum Mond sich reckend, Aufwärts lodernd wild und frei. O dies Bimbumbam! Wie so ängstlich schrickt zusamm’ Unser Herz! Wie das kreischt und heult und brüllt! Wie es rings die Luft erfüllt Mit Entsetzen, Jammer und Verzweiflungsschmerz! Dennoch weiß das bange Ohr Aus dem Läuten Sich zu deuten, Ob der Mensch die Gluth beschwor; Scharfe, sichre Kunde gellt Aus dem Keifen, Winseln, Pfeifen, Wie die Flamme steigt und fällt, Aus dem Toben, das von oben wechselnd sinkt und steigt und fällt, Wüsten Halls, Aus dem Bimbumbimbam Bimbumbam, Aus dem Gellen und dem Schwellen ihres Schalls.

Hört der Grabesglocken Ton, Erzentflohn! O wie schallt ihr trüber Chorus ernst und monoton! In der schweigend stillen Nacht Welch ein Schaudern ist erwacht Bei dem melancholisch düstern Feierklang! Jede Note, die entwallt, Ist ein Seufzer, der erschallt, Schwer und bang! Und die Menschen ohne Schonen, Die im Thurme droben wohnen Ganz allein, Die der Glocken finstres Grollen Wach zu Grabestönen schrein, Die es freut, hinabzurollen Auf die Herzen Stein um Stein: Männer sind es nicht und Frauen, Sind Gespenster, grimm zu schauen, Hassdurchloht; Und ihr Meister ist der Tod, Der im Mantel, blutigroth, Uns bedroht Aus der Glocken Grabgebrumm, Und er grinzet stier und stumm Zu der Glocken Grabgebrumm; Und er tanzt und springt herum, Schwirrend leis, leis, leis In dämonisch wirrem Kreis Zu der Glocken Grabgebrumm, Zu dem Bimbambum; Schwirrend leis, leis, leis In dämonisch wirrem Kreis Zu dem ächzenden Gebrumm, Zu dem Bimbambum, Zu dem krächzenden Gebrumm; Schwirrend leis, leis, leis Mit Gesumm – sum – sum In bacchantisch tollem Kreis Zu dem grollenden Gebrumm, Zu dem Bimbambum, Zu dem rollenden Gebrumm, Zu dem Bimbumbambum Bimbambum, Zu dem stöhnenden und dröhnenden Gebrumm.