Versos German Eduard Mörike Auf eine Christblume — 1 (Tochter des Walds, du Lilienverwandte)

German poem

Auf eine Christblume — 1 (Tochter des Walds, du Lilienverwandte)

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Tochter des Walds, du Lilienverwandte, so lang' von mir gesuchte, unbekannte, im fremden Kirchhof, öd' und winterlich, zum erstenmal, o schöne, find' ich dich!

Von welcher Hand gepflegt du hier erblühtest, ich weiß es nicht, noch wessen Grab du hütest; ist es ein Jüngling, so geschah ihm Heil, ist's eine Jungfrau, lieblich fiel ihr Teil.

Im nächt'gen Hain, von Schneelicht überbreitet, wo fromm das Reh an dir vorüberweidet, bei der Kapelle, am kristallnen Teich, dort sucht' ich deiner Heimat Zauberreich.

Schön bist du, Kind des Mondes, nicht der Sonne; dir wäre tödlich andrer Blumen Wonne, dich nährt, den keuschen Leib voll Reif und Duft, himmlischer Kälte balsamsüße Luft.

In deines Busens goldner Fülle gründet ein Wohlgeruch, der sich nur kaum verkündet; so duftete, berührt von Engelshand, der benedeiten Mutter Brautgewand.

Dich würden, mahnend an das heil'ge Leiden, fünf Purpurtropfen schön und einzig kleiden: Doch kindlich zierst du um die Weihnachtzeit lichtgrün mit einem Hauch dein weißes Kleid.

Der Elfe, der in mitternächt'ger Stunde zum Tanze geht im lichterhellen Grunde, vor deiner mystischen Glorie steht er scheu neugierig still von fern und huscht vorbei.