German poem
Bei der Marien-Bergkirche von L.
O liebste Kirche sondergleichen, Auf deinem Berge ganz allein, Im Wald, wo Linden zwischen Eichen Um’s Chor den Maienschatten streun!
Aus deinem grünen Rasen steigen Die alten Pfeiler prächtig auf, An Drachen, Greifen, Laubgezweigen Reich bis zum letzten Blumenknauf.
Und Nachtigall und Kuckuck freuen Sich dein und ihrer Einsamkeit; Sie kommen jährlich und erneuen Dir deine erste Frühlingszeit.
Der Wohllaut deiner Orgeltöne Schläft, ach, manch lieben langen Tag, Bis einmal sich dein Thal der Schöne Deines Geläutes freuen mag.
Dort, wo aus gelbem Stein gewunden Die Treppe hängt, Ein Blumenkranz, Vertieft sich heut in Abendstunden Mein Sinn in ihre Zierde ganz.
Sieh! ihre leicht geschlung’nen Glieder Verklären sich in rothes Gold! Und horch, die Spindel auf und nieder Gehn Melodien wunderhold!
Musik der hundertfachen Flöte, Die mit dem lezten Strahl verschwebt, Und schweigt, bis sie die Morgenröthe Des gleichen Tages neu belebt.
E. Möricke.