Versos German Elise Sommer Kantate

German poem

Kantate

by (1761–1836)

Listen in the reader

Freuden-Schöpfer, edler Wein! Blume in dem Kranz des Lebens! Deiner Allmacht uns zu freun, Winkt dein Nektar nicht vergebens! Ueberall, wo Freude lacht, Unter allen Himmels-Zonen, Huldigen sie deiner Macht, Die den grossen Raum bewohnen!

Du vergötterst jede Lust Bei der Jugend frohem Spiele, Und beseelst des Jünglings Brust Mit dem Trieb zum höchsten Ziele.

Du erhöhst des Mannes Muth In dem Kampf mit dem Geschicke; Giebst dem Greise frisches Blut, Feuer seinem matten Blicke!

Deinem mächt'gen Talisman Unterwirft sich selbst der Weise Auf des Lebens dunkler Reise; Du bewegst die kalte Brust Mit der Liebe süssen Schmerzen, Und versöhnst getrennte Herzen Bei der Becher frohem Klang!

Windet in den Epheu-Kranz Weinbelaubte Reben, Rosen, die vom Morgenglanz Frischer sich erheben!

Um die Stirne schlinget ihn, Wenn ihr Rheinwein trinket, Grillenfang und Unmuth fliehn, Wenn er golden winket!

In des Dichters Phantasie'n Hauchst du, Zaubrer! Geist und Leben, Neue Sonnen sieht er glüh'n, Schönre Welten sich erheben; Zu der höhern Sänger Chor Schwingt er sich entzückt empor; Mit dem Göttlichen vermählet, Wird das Lied von dir beseelet!

Wenn die Herrscher auf den Thronen Drücken sorgenschwere Kronen, Labt sie nur dein Feuergeist, Ob man gleich sie selig preisst; Wenn den Helden Lorbeern krönen, Hymnen laut entgegen tönen, Schwindet Ruhm und Siegsgesang Bei der Becher frohem Klang! Weihet Altäre dem vollen Pokale, Singet die Hymne, die würdig ihn preisst, Ihm, der die Traube zum fröhlichen Mahle Gütig erschuf und erblühen uns heisst!

Was des Dichters Phantasie Schön und idealisch malet; Wird vom Geist der Harmonie Edler Frauen überstralet; In des Herzens Heiligthume Blühet ihre schönste Blume.

Ihr, der Schöpfung Meisterstück, Ihr, gebürt der Preiss der Lieder; Aus des klaren Auges Blick Stralt die reine Seele wieder: Hoher Sinn des Sittlich-Schönen Spricht aus ihren holden Tönen!

Ruhend an der Charis Busen, Uebt sie ihres Geistes Kraft;

Und veredelt durch die Musen Schöner Künste Wissenschaft!

Holde Friedens-Engel walten, Mit der Ruhe stillem Geist, Um die lieblichen Gestalten, Die des Sängers Muse preisst.

Edler Frauen ernster Wille Wirket immer reg' und stille Für des Hauses dauernd Glück; Wie den Abend, so den Morgen, Scheuchen sie des Gatten Sorgen Mit der Liebe süssem Blick! Darum sey sie hoch gegrüsst, Die das Leben uns versüsst!

Huldigt der Schönheit, von Reizen verkläret, Die uns mit Blumen das Leben bestreun; Was nur das Gute, das Schöne gewähret, Lasst uns den Frauen, den Würdigen-weihn!

In der Sphären Harmonieen, Durch der Schöpfung weiten Raum, Tönen holde Melodieen Und vergöttern unsern Traum!

Sanft vermählet sich das Schöne Mit der weichen Symphonie, Und des Liedes zarte Seele Mit dem Geist der Sympathie.

Leise schwebt des Liedes Seele Der verwandten Seele nach;

Singt so hold, wie Philomele, Unsres Busens Echo wach;

Und es rauschen in die Saiten Töne aus Elysium;

Und die holden Töne gleiten In der Seele Heiligthum!

In die todte Form dringt Leben, Unsre Wonne zu erheben, Und es wogt in Freude das Gemüth! Süsse Thränen thauen nieder, Aufgeregt vom Geist der Lieder, Und des Lebens herbes Bild entflieht!

Malend das Heilige, malend das Schöne, Singen der Dichter melodische Töne Selige Wonnen in's fühlende Herz;

Und sie beschworen das harte Gemüthe, Mildes Erbarmen und himmlische Güte. Theilen der Menschheit zerstörenden Schmerz!

Und es erheben vom dämmernden Thale Sich die Gesänge zum sonnigen Strale, Der durch die Räume Elysiums wallt;

Und von Entzücken und Schönheit gehoben, Schauen die trunkenen Blicke nach Oben, Wo uns das Göttliche nimmer verhallt!

Würdige Thaten mit Nachruhm zu lohnen, Flechten die Dichter unsterbliche Kronen, Rauschend erhebt sich der Strom des Gesangs! Tauchend hinab in die Reiche der Todten, Singen sie richtend, die göttlichen Boten, Voll des allmächtigen, stürmenden Drangs, Und vor der Wahrheit hellstralenden Rüge Schwindet die schmeichelnde niedrige Lüge!

Rauschet, ihr Saiten! im fröhlichen Kreise; Stimmet die Herzen zum jubelnden Lied! Geister der Töne, belebet die Weise, Scheuchet den Unmuth zum finstern Kozyt! Heil dir, Luther! der so bieder Uns die weise Lehre gab: »Wer nicht liebt Wein, Weib und Lieder, Bleibt ein Thor bis an sein Grab!« Noch ist nicht dein Wort verklungen, Das uns Freude lieben heisst; Dir sey dieser Kranz geschlungen, Dir, den unser Jubel preisst: Weiber und Lieder und Freude und Wein, Walten auf ewig in süssem Verein!