German poem
Ballade
by Else Lasker-Schüler (1869–1945)
(Aus den sauerländischen Bergen) (Dem von mir immer so verehrten Dr. Blümner)
Er hat sich In ein verteufeltes Weib vergafft, In sing Schwester!
Wie ein lauerndes Katzentier Kauerte sie vor seiner Tür Und leckte am Geld seiner Schwielen.
Im Wirtshaus bei wildem Zechgelag Saß er und sie und zechten am Tag Mit rohen Gesellen.
Und aus dem roten, lodernden Saft Stieg er ein Riese aus zwergenhaft Verkümmerten Gesellen.
Und ihm war, als blickte er weltenweit, Und sie schürte den Wahn seiner Trunkenheit Und lachte!
Und eine Krone von Felsgestein, Von golddurchädertem Felsgestein Wuchs ihm aus seinem Kopf.
Und die Säufer kreischten über den Spaß. „Gott verdamm mich, ich bin der Satanas!“ Und der Wein sprühte Feuer der Hölle. Und die Stürme sausten wie Weltuntergang, Und die Bäume brannten am Bergeshang, Es sang die Blutschande ........
Sie holten ihn um die Dämmerzeit, Und die Gassenkinder schrien vor Freud Und bewarfen ihn mit Unrat.
Seitdem spukt es in dieser Nacht, Und Geister erscheinen in dieser Nacht, Und die frommen Leute beten.
Sie schmückte mit Trauer ihren Leib, Und der reiche Schankwirt nahm sie zum Weib, Gelockt vom Sumpf ihrer Tränen.
– Und der mit der schweren Rotsucht im Blut Wankt um die stöhnende Dämmerglut Gespenstisch durch die Gassen.
Wie leidender Frevel Wie das frevelnde Leid, Überaltert dem lässigen Leben.
Und er sieht die Weiber so eigen an, Und sie fürchten sich vor dem stillen Mann Mit dem Totenkopf.