German poem
Heimweh
by Else Lasker-Schüler (1869–1945)
(Zwei Freunden: Paul Zech und Hans Ehrenbaum-Degele)
Ich kann die Sprache Dieses kühlen Landes nicht, Und seinen Schritt nicht gehn.
Auch die Wolken, die vorbeiziehn, Weiß ich nicht zu deuten.
Die Nacht ist eine Stiefkönigin.
Immer muß ich an die Pharaonenwälder denken Und küsse die Bilder meiner Sterne.
Meine Lippen leuchten schon Und sprechen Fernes,
Und bin ein buntes Bilderbuch Auf deinem Schoß.
Aber dein Antlitz spinnt Einen Schleier aus Weinen.
Meinen schillernden Vögeln Sind die Korallen ausgestochen, An den Hecken der Gärten Versteinern sich ihre weichen Nester.
Wer salbt meine toten Paläste – Sie trugen die Kronen meiner Väter, Ihre Gebete versanken im heiligen Fluß.