German poem
Lied des Rattenfängers
by Emanuel Geibel (1815–1884)
Ich kenn' eine Weise, Und stimm' ich mein Rohr, Da spitzen die Mäuse, Die Ratten das Ohr; Sie kommen gesprungen, Als ging' es zum Fest, Die alten, die jungen Aus jeglichem Nest; Aus Ritzen und Pfützen, aus Keller und Dach, Da hüpft es und schlüpft es und wimmelt mir nach.
Und greif' ich mit Schalle Den Triller dazu, So scharen sich alle Gehorsam im Nu. Sie lüpfen, vom Zauber Der Töne gepackt, Die Schwänzelein sauber Und springen im Takt. Sie springen und schwingen sich hinter mir drein Und munter hinunter zum strudelnden Rhein.
Und blas' ich dann tiefer Die Fuge zum Schluß, Da rennt das Geziefer Wie toll in den Fluß; Da rettet kein Schnaufen, Kein Zappeln sie mehr, Sie müssen ersaufen Wie Pharaos Heer; Die Welle verschlingt sie mit Saus und mit Braus, Dann schwing' ich den Hut, und das Elend ist aus.