German poem
Nordisch
by Emanuel Geibel (1815–1884)
Die Luft ist grau und grau das Meer, Der Wind fegt pfeifend drüber her, Die Möwe kreischt, die Brandung wallt, – Wie ward mein Herz so sterbensalt! Traurig rinnen die Tage.
Wohl hab' ich andre Zeit gekannt, Wir fuhren im Nachen, Hand in Hand, Das Meer war blau, die Sonne schien, Ich sah und wußte nichts als ihn; Selig waren die Tage.
Nun liegt der Kahn und fault am Strand, Er aber ging ins fremde Land, Er ging, ein hohes Weib zu frein, – Gott geb' ihm Glück! Das Leid ist mein. Traurig rinnen die Tage.
More by Emanuel Geibel
- Nichts ist so ganz mir verhaßt, wie verstimmt hochmütige Trägheit
- Niemals werd' ich dich vergessen
- Nimmer wirst du Unsterbliches schaffen
- Noch ruhn die Höhn vom Duft umwoben
- Nordostwind hatten wir, die See ging hoch
- Nun auf tagelangen Regen
- Nun bin ich heim. O selig Ende
- Nun braut es herbstlich auf den Auen