Versos German Emanuel Geibel Nun kommt die Nacht am Himmelszelt

German poem

Nun kommt die Nacht am Himmelszelt

by (1815–1884)

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Nun kommt die Nacht am Himmelszelt, Der Pfad wird schwarz, und still die Welt, Die müden Füße schwanken; Das Mühlrad wogt in Schaum und Flut, Mein Herz das wogt in Liebesglut Und sehnlichen Gedanken.

Wo bist du nur zu dieser Stund' Da wir so oft von Herzensgrund Gespräch und Kuß getauschet? Wo bist du nur, und denkst du mein, Nun wieder dir ums Kämmerlein Die Lind' im Nachtwind rauschet?

Ein Kranich, der vom Schwarm verflog, Schwirrt über mir im Dunkel hoch Und ruft betrübt den andern – Wir beide tragen gleiches Leid; Ach Gott, in Nacht und Einsamkeit Wie traurig ist das Wandern!

Und komm' ich heim an meinen Ort, Wohl grüßen mich die Kinder dort Am Tor und auf den Gassen; Doch bei den lieben Freunden mein Mir wird's wie in der Fremde sein, Dieweil ich dich muß lassen.

Ich seufze tags: Wär' ich bei dir! Ich träume nachts: Du sprichst mit mir, – Und fahr' empor und weine. Denn all mein Freud' und Glück und Ruh', Denn meine Heimat bist ja du, Du eine, die ich meine.